Österreichische Gesellschaft für Kurdologie | Europäisches Zentrum für Kurdische Studien
Österreichische Gesellschaft für Kurdologie
Die Österreichische Gesellschaft für Kurdologie / Europäisches Zentrum für kurdische Studien bildet seit Herbst 2011 ein Netzwerk für an unterschiedlichen wissenschaftlichen Institutionen durchgeführte Kurdische Studien in Österreich.
2011 vom Historiker Ferdinand Hennerbichler und vom Politikwissenschafter Thomas Schmidinger gegründet, wurde die kleine Gesellschaft bald zu einer Anlaufstelle für Wissenschafter*innen unterschiedlicher wissenschaftlicher Fächer, die sich mit Kurdistan oder der kurdischen Diaspora beschäftigen. Neben dem Politikwissenschafter Christoph Osztovics zählten auch die Sozial- und Kulturanthropologinnen Maria Six-Hohenbalken und Nerina Weiss, sowie die Sprachwissenschafterinnen Katharina Brizić und Agnes Grond zu den frühen Mitgliedern der Gesellschaft. Als Vorstandsmitglieder der ersten Jahre waren zudem die Juristin (und spätere Politikerin) Aygül Berîvan Aslan, sowie der Historiker Abdul Musawir Barzani, der Sprachaktivist und Dichter Kamer Söylemez, der Politikwissenschafter Azad Noree, die Medizinerin Gelas Khanakah in der Gesellschaft aktiv.
In den ersten zwei Jahren kooperierte die Gesellschaft noch eng mit der Berliner Gesellschaft für Kurdologie / Europäisches Zentrum für kurdische Studien, mit der auch an einer gemeinsamen Revitalisierung der bis 2005 herausgegebenen Zeitschrift „Kurdische Studien“ gearbeitet wurde, die aber nicht realisiert werden konnte.
In den ersten Jahren standen monatliche Vorträge mit Diskussionsrunden im Mittelpunkt der Österreichischen Gesellschaft, die regelmäßig im kurdischen Restaurant Dionysos/Nosh in der Kochgasse im 8. Wiener Gemeindebezirk stattfanden. Der Wirt des Restaurants, der Politikwissenschafter Khabat Marouf, stellte immer gerne das Hinterzimmer seines Restaurants für diese Abende zur Verfügung. Nach seiner Rückkehr nach Kurdistan wurde er dort zum Initiator de Projektes Kargey Kultur in der alten Tabakfabrik in Silêmanî, die in der Folge einer der Kooperationspartner vor Ort wurde.
Ab 2013 begann die Gesellschaft schließlich das Wiener Jahrbuch für Kurdische Studien herauszugeben. Die regelmäßigen Veranstaltungen wurden hingegen ab 2015 eingestellt, da diese immer weniger besucht wurden und die Mitglieder der Gesellschaft immer stärker verstreut waren. Leider verließ mit Ferdinand Hennerbichler 2018 einer der beiden Gründer die Gesellschaft. Dafür kamen einige jüngere Mitglieder dazu. Mit Ronya Alev wurde eine dieser jüngeren Mitglieder 2022 auch zeitweilig Mitherausgeberin und Vorstandsmitglied der Gesellschaft.
Insgesamt sind abgesehen von der Herausgabe des Jahrbuches die Veranstaltungen der Gesellschaft deutlich zurückgegangen. Mit Arbeitsorten außerhalb Wiens verlagerte sich die Gesellschaft immer mehr in den virtuellen Raum, was sich ab 2020 mit der Covid 19-Pandemie noch weiter verstärkte. Wenn auch die Veranstaltungen in Wien zurückgingen, bekam umgekehrt die Vernetzung mit Kurdistan selbst eine immer größere Bedeutung. Gründungsmitglied Thomas Schmidinger ist seit 2022 Associate Professor an der University of Kurdistan Hewlêr (UKH) in der irakisch-kurdischen Hauptstadt Erbil. Regelmäßige Kontakte bestehen auch zu mehreren anderen Universitäten in der Autonomieregion Kurdistan im Irak, den kurdischen Universitäten in Nord- und Ostsyrien, sowie Universitäten mit Kurdischen Studien weltweit.
Heute ist die Gesellschaft im Wesentlichen Trägerin des Jahrbuches und eine Vernetzungsmöglichkeit der zu kurdischen Themen forschenden Wissenschaftler*innen mit Österreich-Bezug, sowie Schnittstelle dieser zu anderen Forschungs- und Kultureinrichtungen im Kontext Kurdistans. Vorstandsmitglieder der Gesellschaft finden sich nicht nur in Wien, sondern auch an den Universitäten Graz, Liechtenstein, Freiburg im Breisgau und der University of Kurdistan Hewlêr (UKH).